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Fachtagung 2018 - Arbeitsgruppen AG 6


Der Beitrag interreligiöser Sprachfähigkeit in der kommunalen Arbeit

Die deutsche Gesellschaft zeichnet sich durch eine Vielfalt an Religionen, Weltanschauungen und kulturellen Prägungen aus.
Interreligiöse Sprachfähigkeit ist eine wichtige Kompetenz, wenn das Gespräch von Menschen mit unterschiedlichen Wertevorstellungen gelingen soll.

Erdogan Karakaya, Islamwissenschaftler und Referent für Christlich-Islamischen Dialog in der Eugen-Biser-Stiftung

--> ausführliche Beschreibung von E. Karakaya

Bericht AG 6

Im Rahmen der Arbeitsgruppe gab es eine Einstiegsaufgabe. Wichtige Begriffe wie interreligiöser Dialog, Vorurteile, Diskriminierung, Kommunikation wurden vorgestellt und besprochen.
Am Schluss wurde das Schaffen von Dialogräumen als Lösungsansatz aufgezeigt.

Einstieg:
Am Anfang wurden 5 Begriffe (Judentum, Christentum, Islam, Sonstiges, Gemeinsames) auf den Boden gelegt und viele verschiedene Bilder mit Personen und Symbolen. Die Teilnehmer*innen erhielten den Auftrag, die Bilder den Begriffen zuzuordnen und ihre Zuordnung zu begründen. Das Ergebnis zeigte, dass die Zuordnung häufig von Vorannahmen geleitet wird. So wurde z.B. das Bild eines Mannes mit hellen Haaren und heller Haut dem Judentum zugeordnet, obwohl es sich tatsächlich um einen muslimischen Universitätsprofessor handelte. Ein Mann mit dunkler Haut und Haaren wurde dem Islam zugeordnet, obwohl er nichts mit dem Islam zu tun hatte.
Daraus wurde das Fazit gezogen: Menschen werden nach Aussehen und Kleidung beurteilt und auf ihre Religion geschlossen, ohne mit ihnen gesprochen zu haben. -> Wichtig ist die Kommunikation, bei den Personen soll nachgefragt werden.

-> Wichtig ist der Dialog

Das Wort Dialog stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet Unterredung/Gespräch, die griechische Wortwurzel beinhaltet hin-durch. Bei einem Dialog sollen die Worte hindurchfließen.
-> Interreligiöser Dialog bedeutet nicht nur, sich zusammenzusetzen und über Gott und den Glauben zu reden, sondern miteinander zu kommunizieren und voneinander viel zu erfahren.
Dialog bietet die Möglichkeit, Konflikte in Kooperation zu wandeln durch gleichberechtigtes Zuhören und ist ein dynamischer Lernprozess. Über den Dialog bekommt man Informationen, kann die Absichten, Gefühle, Vorurteile und Wünsche des Gegenübers verstehen.
Zu einem idealen Dialog gehören die Bereitschaft zur Selbstkritik, gegenseitiger Respekt, die Bereitschaft dazuzulernen und dennoch die eigene Identität zu bewahren.

Im Austausch erzählten Teilnehmer*innen, dass bei ihnen in der Gemeinde der Dialog gut funktioniere. Der Referent berichtete, dass manche Kommunen große Probleme haben, islamische Gemeinden in das Stadtleben zu integrieren. Häufig wissen sie zu wenig über ihre Minderheiten, während diese durchaus viel über die Mehrheitsgesellschaft wissen.

Minderheiten brauchen Schlüsselpersonen, die sie zu Projekten, Veranstaltungen usw. miteinbeziehen. Wichtig ist es auch, dass die Projekte gemeinsam mit Migrant*innen erarbeitet und nicht vorgesetzt werden.

Kommunikationsbarrieren können sein: Das Fehlen einer "gemeinsamen" Sprache, Milieu- und Bildungsunterschiede, kulturelle Prägung der Akteur*innen, vorhandene Stereotypen und Kulturalisierungen, Absichten des Dialogs, Professionalisierungsgrade, persönliche Religiosität und Vertretungsanspruch, Tagespolitik.

Prozesse der Verständigung: 1. Was ich denke, 2. Was ich eigentlich sagen möchte, 3. Was ich denke, gesagt zu haben, 4. Was ich sage, 5. Was der Dialogpartner hören möchte, 6. Was der Dialogpartner wirklich hört, 7.Was der Dialogpartner fähig ist zu verstehen, 8. Was der Dialogpartner tatsächlich versteht, 9. Was der Dialogpartner denkt verstanden zu haben.

Im weiteren Verlauf wurde eine Arbeitsdefinition vorgestellt:
Interreligiöse Kompetenz benennt die Fähigkeit, sich reflexiv auf Basis von Wissen und Wirksamkeit über Religionen und Weltanschauungen mit der eigenen gesellschaftlichen Sozialisation auseinanderzusetzen. Es geht darum, aus Erfahrungswerten der vorurteilsbewussten dialogischen Begegnung mit anderen Menschen, die differierende Werte- und Weltanschauungen vertreten, gemeinsame überlappende Erfahrungen und Konsense zu initiieren. Damit werden auf Grundlage einer demokratischen Haltung zukünftige Kooperationen ermöglicht, um gemeinsam formulierte Ideen und Ziele zu verwirklichen.

Als Beispiel für herrschende Diskriminierung wurde eine Studie aus dem Bereich Arbeitswelt vorgestellt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Bewerber*innen mit türkischen Namen mehr Bewerbungen schreiben müssen, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Wichtige Ergebnisse einer Studie in Kürze. Ein Ergebnis der Studie war es auch, dass je höher der Bildungsabschluss, desto höher die Diskriminierung!

Zum Thema Vorurteile wurde eine Studie vorgestellt zur Wahrnehmung des Islam in Deutschland (Bertelsmann, 2015). Diese kommt zu dem Ergebnis, dass 57% der Befragten den Islam für bedrohlich halten. 61% sind der Ansicht, der Islam passe nicht in die westliche Welt.

Im Austausch wurde festgehalten, dass Menschen nicht deshalb Vorurteile haben, weil sie mit dem Gegenstand des Vorurteils Berührungspunkte hatten. Sondern weil sie mit den Gerüchten und Erzählungen über diesen Gegenstand Kontakt hatten.
Warum reden wir über Vorurteile und ihre Auswirkungen?

Konsequenz: Integrationsparadoxon
Die erste Generation Türkeistämmiger Muslim*innen hatte damals pragmatischen Umgang mit kultureller und religiöser Identität. Sie hatten keine Teilhabe am Diskurs, es fand ein Gespräch über sie statt, nicht mit ihnen.
Für die zweite und dritte Generation türkeistämmiger Muslim*innen war Deutschland als Gastland der Eltern ihr Geburtsland. Sie waren objektiv besser integriert, subjektiv kaum beheimatet (Viktimisierung). Noch immer findet häufig noch ein Gespräch über sie statt. Deshalb gibt es viel Frustration über die Fremdmarkierung, weil Gleichbehandlungsgrundsatz implementiert wurde (AGG) und doch (institutionell, strukturell, persönlich) Ungleichbehandlung stattfindet.
-> Vielfach gibt es eine reaktionäre Adaption der Herkunftsidentität bzw. einer übergeordneten Identität wie dem Muslim-sein.

Lösungsansatz: Dialogräume schaffen:
Räume für Begegnung und Dialog schaffen, die nicht stark ritualisiert sind, persönliche Begegnungen ermöglichen, die geschützt sind, die nicht bewertet werden. Gemeinsam erarbeitete Ziele (nicht vorgegebene) verbalisieren und auf Kooperation abzielen.

Bericht zu AG 6: Ilknur Altan, Integrationsbeirat Kempten