11. Politische Teilhabe  
politische Teilhabe Die Möglichkeit zur Mitgestaltung und Mitsprache sehen wir als notwendige Voraussetzung für ein demokratisches und gleichberechtigtes Zusammenleben. AGABY vertritt als bayerische Dachorganisation die Interessen der Menschen mit Migrationsgeschichte in Bayern und fördert den Dialog mit staatlichen Institutionen, Parteien, gesellschaftlichen Organisationen sowie der Öffentlichkeit auf Landesebene. Um die Möglichkeiten der politischen Partizipation von Migrant*innen zu erweitern, fordern wir die gesetzliche Verankerung der kommunalen Integrationsbeiräte und der AGABY als bayerische Dachorganisation. Auch das Wahlrecht für ALLE gehört zu unseren wichtigen Forderungen. Wir sind in Gremien und politischen Bündnissen vertreten und arbeiten mit Kooperationspartnern. Kampagne Kommunales Wahlrecht Wir wollen die Partizipation von Migrant*innen und damit die Demokratie stärken. Die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft ist es, die gesamte Bevölkerung in die politischen Entscheidungen einzubeziehen. In Deutschland gibt es jedoch ein "Dreiklassenwahlrecht": Deutsche Staatsbürger*innen haben vollständiges Wahlrecht, EU-Staatsangehörige haben Kommunalwahlrecht, Drittstaatsangehörige sind ohne Wahlrecht. AGABY setzt sich dafür ein, als ersten Schritt ein Wahlrecht für ALLE auf der kommunalen Ebene einzuführen. Mit symbolischen Wahlen machen wir die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung aufmerksam und versuchen alle Bürger*innen mit und ohne Migrationshintergrund dafür zu gewinnen. Unser Ziel ist es, dass alle Einwohner*innen über die Politik ihrer Kommune mitbestimmen. Kampagne "Demokratie braucht jede Stimme" und Hintergrund-Infos Flyer "Demokratie braucht jede Stimme" Interview zur Kapagne von Radio Z mit Mitra Sharifi, Vorsitzende der AGABY.
12. Wer wir sind  
Nov. 1993 Gründung AGABY 11 kommunale Ausländerbeiräte gründen am 27.11.1993 in Fürth ihre Dachorganisation auf bayerischer Landesebene. Das waren die Beiräte Augsburg, Erlangen, Fürth, München, Neu-Ulm, Nürnberg, Schwabach, Sonthofen, Zirndorf sowie Landkreis Lindau und Landkreis Starnberg. Juni 2007 Förderung durch Freistaat Bayern Mit dem Start des Projektes "Gemeinsam engagiert für eine gemeinsame Zukunft" erhält AGABY erstmals finanzielle Förderung durch den Freistaat Bayern (damals Sozialministerium) sowie das BAMF.  Die Finanzierung ist jedoch bis heute eine kontinuierliche Herausforderung. Mai 1998 Gründung BZI Gemeinsam mit anderen Landesausländerbeiräten gründet AGABY die Dachorganisation Bundesausländerbeirat, heute Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat, BZI. Wichtige Forderungen waren damals die Verbesserung des Staatsangehörigkeitsgesetzes (inzwischen reformiert) und das Wahlrecht für alle (Thema bis heute). Juli 2008 Forderungen zur Landtagswahl mit DGB Im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl veröffentlicht AGABY gemeinsam mit dem DGB die "Wahlplattform Integration durch Partizipation". Themen sind Bildung und beruflichen Ausbildung, interkulturelle Öffnung der Verwaltungsräte und kommunales Wahlrecht für Alle. Sept. 2009 Arbeitsmarktintegration Mit dem Start des Projektes "Beruflich anerkannt?!" wird AGABY in  einem neuen Schwerpunkt, der Arbeitsmarktintegration, aktiv. Im Mittelpunkt stand die Information zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Seitdem führt AGABY kontinuierlich Projekte in Kooperation mit dem IMigraNet-IQ-Netzwerk Bayern durch.  Nov. 2009 Wahlrecht für ALLE Im Herbst 2009 startet die Kampagne "Kommunales Wahlrecht für alle  - Demokratie braucht jede Stimme". Im Januar 2010 veranstaltet AGABY ein prominent besetztes Podium, u.a. mit Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Die bayerischen Parteivorsitzenden von FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen wollen ein Wahlrecht für Nicht-EU-Bürger unterstützen. ->Pressemitteilung Sept. 2012 Auszeichnung Mitra Sharifi Neystanak, Vorsitzende der AGABY, wird für ihr großes Engagement für die soziale und gesellschaftliche Integration mit der Bayerischen Staatsmedaille für besondere soziale Verdienste ausgezeichnet. Juni 2013 Gründung Migrantinnen-Netzwerk Bayern Über 100 Frauen mit Migrationsgeschichte aus ganz Bayern gründen am 22. Juni 2013 im DGB-Haus in München das Migrantinnen-Netzwerk Bayern - den bundesweit ersten Zusammenschluss von Migrantinnen auf Landesebene. Die Gründung wurde maßgeblich durch AGABY initiiert und organisiert. Okt. 2013 Bündnis für Toleranz AGABY wird Mitglied beim „Bayerischen Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“. Seitdem beteiligen wir uns an Kampagnen des Bündnisses gegen rechtsextreme, antisemitische und rassistische Einstellungen, Haltungen und Handlungen und gemeinsamen Veranstaltungen wie dem EuropaTalk oder dem Europabus. Juni 2014 Online Handbuch AGABY veröffentlicht das Online-Handbuch "Erfolgreich arbeiten im Integrationsbeirat. Materialien, Tipps & Hilfen". Damit erhalten engagierte Migrant*innen sowie die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung alle wichtigen Informationen zur Arbeit der Integrationsbeiräte im Online-Format. März 2015 Tag gegen Rassismus Erstmals führen die Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte in ganz Bayern Aktionen zum 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus durch. Das Motto der AGABY in 2015 lautet "Für Respekt stehen". Seitdem findet jedes Jahr zum 21. März eine öffentlichkeitswirksame bayernweite Aktion mit aktuellem Motto statt. März 2015 Gründung NRDB Zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus fand auf Initiative der AGABY die Gründungs-Versammlung des Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V. statt. Das NRDB will Rassismus in Bayern sichtbar machen und bekämpfen und von Rassismus Betroffene unterstützen.  Feb. 2016 Talentscouts für Flüchtlinge AGABY startet das MigraNet-IQ-Projekt „Talentscouts für Flüchtlinge“, um Geflüchtete bei der beruflichen Integration in Deutschland zu unterstützen. Die Talentscouts bieten an vier Standorten in Bayern mobile Beratung an. Im Dez. 2018 endet leider die Förderung und damit das Projekt. Nov. 2016 Protest gegen Integrationsgesetz Im Bündnis mit Gewerkschaften, Kirchen und anderen Migrantenorganisationen protestiert AGABY am 26.11.2016 mit einer bayernweiten Kundgebung vor dem Heimatministerium in Nürnberg gegen die Verabschiedung des "Bayerischen Integrationsgesetzes". "Das Gesetz integriert nicht, sondern es grenzt aus", unterstreicht Mitra Sharifi, Vorsitzende der AGABY. Flyer​​​​​​​ April 2017 Podium Integrationspolitik Ein prominent besetztes Podium diskutiert auf der Fachtagung in Erlangen über das Thema Integrationspolitik.  Themen sind die Aufnahme von Geflüchteten, der Umgang mit zunehmendem Rassismus und Populismus sowie die Förderung von Integration im ländlichen Raum.   April 2017 Selbstverpflichtungs-erklärung Die Delegierten der AGABY verabschieden auf der Vollversammlung am 2. April 2017 in Erlangen die Selbstverpflichtungserklärung „Wir dulden keinen Rassismus und keine Diskriminierung – erst recht nicht in den eigenen Reihen“. Mai 2017 Rundfunk- und Medienrat AGABY erhält einen Sitz im Medienrat (seit 2017) und im Rundfunkrat des BR (seit 2018). Nach langjähriger Lobbyarbeit sind jetzt die Perspektiven der Menschen mit Migrationsgeschichte in diesen wichtigen Gremien vertreten. AGABY sorgt für mehr Diversität in der bayerischen Medienlandschaft. Sommer 2017 "Hier lebe ich, hier wähle ich!" Im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2017 führt AGABY mit einem bundesweiten Bündnis eine Kampagne für mehr Partizipation und Demokratie in Deutschland durch. Unter dem Motto "Hier lebe ich, hier wähle ich!" setzen sich die Integrationsbeiräte Bayerns in ihren Kommunen mit Infoständen, Aktionen und Plakaten für ein Wahlrecht für Menschen ohne deutschen Pass ein. Pressemitteilung bundesweite Kampagne​​​​​​​ Juli 2018 Enquete-Kommission Integration Im Juli 2016 wird Mitra Sharifi, Vorsitzende der AGABY, als Expertin in die Enquete-Kommission "Integration in Bayern aktiv gestalten und Richtung geben" berufen.  Am 11. Juli 2018 präsentiert die Kommission ihren Schlussbericht, darin auch die kritische Stellungnahme von Mitra Sharifi (S. 27). Okt. 2018 Wertebündnis AGABY wird in das Wertebündnis Bayern - Gemeinsam stark für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aufgenommen und vertritt seitdem in diesem Gremium die Perspektive der Menschen mit Migrationsgeschichte. Die Integrationsbeiräte beteiligen sich aktiv an der Langen Nacht der Demokratie. Okt. 2018 25-jähriges Jubiläum Mit einem großartigen Festakt feierten die Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns das 25-jährige Bestehen ihrer Dachorganisation AGABY. Die Jubiläumsfeier fand am 27.10.2018 mit über 200 Teilnehmenden im Senatssaal des Bayerischen Landtags statt. Jubiläums-Video (filmische Umsetzung: Benedikt Scheerer films) Jubiläumsrede Mitra Sharifi, Vorsitzende (pdf) Feb. 2019 Aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung Wir starten den neuen Schwerpunkt "Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit" im Projekt MigrAktiv (seit 2/2019) und das neue Projekte "Aktv(ierende) Antidiskriminierungsarbeit in Bayern" (2/2020). So stärken und professionalisieren wir unser Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung und bauen unsere Aktivitäten für strukturelle Verbesserungen und für Betroffene aus. März 2019 Positionspapier "Null Toleranz" Die Delegierten der AGABY verabschieden auf der Vollversammlung in Bamberg das Positionspapier "Null Toleranz im Umgang mit rassistischen Parteien". Damit verpflichten sich die Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns darauf, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Diskriminierung in den eigenen Reihen und in Politik und Gesellschaft zu bekämpfen. Wer wir sind Wir sind der Dachverband der Integrationsbeiräte im Freistaat Bayern. Unser Name 'AGABY' steht für „Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns“. -> alle Mitglieder Wir vernetzen und unterstützen die kommunalen Beiräte bei ihrer Aufgabe, die Interessen der Migrant*innen in der Kommunalpolitik vor Ort zu vertreten. Dabei sind Ausländer-, Migranten- oder Integrationsbeiräte ehrenamtlich arbeitende Gremien, die von der migrantischer Bevölkerung in den Städten und Kreisen demokratisch gewählt werden. Jeder Beirat kann bei uns Mitglied werden und die Zahl wächst, weil immer mehr Integrationsbeiräte in den Städten und Landkreisen Bayerns gegründet werden. Wir beraten die Kommunen und die Landespolitik bei den Prozessen für eine partizipative Integrationspolitik, um ein gleichberechtigtes und diskriminierungsfreies Miteinander zu erreichen. Unsere Geschichte Veranstaltung 1 - Nov. 2018 Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine.
13.  
Integrationsbeirat Bayreuth Schlossgalerie Kanalstraße 3 95444 Bayreuth jugendamt@stadt.bayreuth.de 0921 251119 https://www.bayreuth.de/rathaus-buergerservice/leben-in-bayreuth/mitbuerger-mit-migrationshintergrund/integrationsbeirat/
14. Unsere Mitglieder  
Unsere Mitglieder
15. Pressespiegel_21._Maerz_2021.pdf  
Pressespiegel 21. März 2021 und Internationale Wochen gegen Rassismus 2021 (Auswahl) Regensburg TV Aktuell: Filmbeitrag zur Kundgebung gegen Rassismus in Regensburg https://www.tvaktuell.com/mediathek/video/kundgebung-gegen-rassismus-in-regensburg-tva-journal-vom-22-maerz-2021/ Mittelbayerische Zeitung: Artikel zur Plakataktion in Internationalen Wochen gegen Rassismus in Regensburg https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/bi-asyl-erinnert-an-politischverfolgte-21179-art1988253.html https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/plakate-fuer-terror-opfererneut-zerstoert-21179-art1989217.html Landshut Niederbayern TV: Filmbeitrag zur Veranstaltung: Online-Konferenz zur Umbenennung von Straßen mit Bezug auf die Kolonial-und Nationalsozialismus-Geschichte in Landshut https://landshut.niederbayerntv.de/mediathek/video/online-konferenz-zur-umbenennung-vonstrassen-mit-bezug-auf-die-kolonial-und-nationalsozialismus-geschichte-in-landshut/ all-in.de "Rassismus tötet" - Mahnwache gegen Rassismus am Spitalplatz in Sonthofen https://www.all-in.de/sonthofen/c-lokales/mahnwache-gegen-rassismus-am-spitalplatz-in-sonthofen_a5109027 Fränkischer Tag „Starke Stimmen gegen Ausgrenzung“ https://www.fraenkischertag.de/lokales/bamberg/stimmen-gegen-ausgrenzung-und-fuer-toleranzart-26005 AGABY Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns Landesgeschäftsstelle | Sandstraße 7 | 90443 Nürnberg | Tel. 0911 92 31 89 90 | presse@agaby.de | www.agaby.de
16. AGABY in Presse und Medien  
April 2021 Das Nürnberger Spielzeugmuseum setzt sich mit den eigenen Objekten auseinander. Denn auch Spielzeug kann rassistische Stereotype transportieren. Die Erkenntnisse werden in einer kritischen Ausstellung gezeigt. Eric Mbarga, Referent für Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit der AGABY, hat das Spielzeugmuseum mit seiner Expertise unterstützt. Zum Beitrag von Franken Fernsehen April 2021 Teilnehmer*innen schildern ihre Motivation, an der Schulung zur "Sprecher*in gegen Diskriminierung" teilzunehmen und berichten über eigene Rassismuserfahrungen. Der Projektleiter und die Vorsitzende der AGABY erläutern die Zielsetzung. Ausführlicher Artikel mit dem Titel "Kampf gegen Rassismus: Ansprechen, Aussprechen, Mitsprechen" im Sonntagsblatt. Zum Artikel Artikel als pdf 5. Oktober 2018 Die Nürnberger Nachrichten und AGABY gestalten in Kooperation ein Medienrpojekt zum Thema "Migranten zur Landtagswahl". Der Artikel erhält den Titel "Der verstellte Blick. Migranten sind nicht Auslöser sozialer Probleme". Unter dem Motto "Demokratie braucht jede Stimme" plädiert Mitra Sharifi, die Vorsitzende der AGABY, für die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Deutschland. Die Vorsitzenden von fünf bayerischen Integrationsbeiräten geben ihre Einschätzung zur Landtagswahl ab. Gesamter Artikel April 2021 In dem Podcast der Petry-Kelly-Stiftung mit dem Titel "Die Farbe der Nation" geht es um Wahlrecht und politische Beteiligung in Sachsen-Anhalt und Bayern. Wie wird man als Migrant*in politisch aktiver? Was sind genau Migrationsbeiräte in Bayern und welche anderen Strukturen gibt es in anderen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt? Und: gibt es einen Unterschied zwischen den Parteien, wenn es um die Migrationsgeschichte ihrer Kandidat*innen geht? Dabei wird klar, wie wichtig Aufklärungsarbeit und politische Bildung innerhalb der Parteien und innerhalb der migrantischen Communities sind. Radiosendung mit Mika von LAMSA, dem Dachverband der Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt und Mitra Sharifi (Vorsitzende) und Natalie Keller (pädagogische Mitarbeiterin) von AGABY, Dachverband der Integrationsbeiräte Bayerns. Zum Podcast Juli 2020 Das "Bündnis für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde schützen" befragt in der Reihe "3 Fragen an" Hamado Dipama, Referent für Antidiskriminierungs-und Antirassismusarbeit der AGABY. "Von der Politik wünsche ich mir, dass die Zunahme von Rassismus und rassistischer Gewalt ernst genommen, konsequent bekämpft und Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Dringend braucht es die Studie zu Rassismus bei der Polizei. Die Ablehnung der Studie bestätigt nur, dass institutioneller Rassismus ein ernsthaftes Problem darstellt." Gesamtes Interview März 2021 Das Integrationsmagazin „Diverseco“ im Landkreis Pfaffenhofen hat mit Hamado Dipama, Referent für Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit der AGABY und Vorsitzender des Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern ein ausführliches Interview geführt. Es geht um Rassismus, dessen Geschichte und Erscheinungsformen, wie Betroffene sich wehren können und wie Unterstützung aussehen kann. Magazin Diverseco Februar 2021 Eine Antidiskriminierungsstelle auf Landesebene und mehr kommunale Anlaufstellen für Betroffene von Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung - das fordert Hamado Dipama, Referent für Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit der AGABY im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Auch Christine Burmann, Leiterin der Nürnberger Antidiskriminierungsstelle und Tessa Ganserer, Landtagsabgeordnete der Grünen fordern bessere Strukturen. Doch das Bayerische Sozialministerium lehnt eine Landesantidiskriminierungsstelle ab. Beitrag des BR Juni 2020 Mitra Sharifi, die Vorsitzende der AGABY, schreibt in ihrem Statement zum Thema "Werte in der Krise" inmitten der Corona-Pandemie: "Das Aufflammen von Nationalismus und der Betonung von nationalen Interessen bedroht einen wichtigen Wert, der für AGABY besonders bedeutsam ist: Alle Menschen sind gleich, jedes Menschenleben ist von gleichem Wert, unhabhängig von der ethnischen oder sozialen Herkunft, der Hautfarbe, Religion, Alter, seiner Behinderung oder Sexualität und sexueller Orientierung." Gesamtes Statement Link zum Digitalmagazin des Wertebündnis AGABY in Presse und Medien
17. Presse  
KONTAKT: Telefon: 0911 923 189 90 agaby[at]agaby.de Pressemitteilungen
18. Rede-21._Maerz_2021-AGABY.pdf  
Es gilt das gesprochene Wort Rede zur gemeinsamen bayernweiten Aktion der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns am Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März 2021 Vorschlag für eine Rede vor Ort (Der Text kann gerne an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden) Liebe Mitglieder des Integrationsbeirats [der Stadt/des Landkreises ergänzen], liebe Kooperationspartner, liebe Bürger*innen, ich darf Sie und euch ganz herzlich zu unserer Aktion am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus begrüßen. Am 21. März 1960 wurde eine friedliche Demonstration in Sharpeville (Südafrika) in Reaktion auf ein rassistisches Gesetz des Apartheid-Regimes blutig niedergeschlagen. Dies hat 69 Menschen das Leben gekostet. In Reaktion darauf haben die Vereinten Nationen 1966 den 21. März zum „Internationalen Tag gegen Rassismus“ ausgerufen „Rassismus und Nationalismus kommen mir nicht in die Tüte“ lautet das Motto der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns und des Netzwerkes Rassismusund Diskriminierungsfreies Bayern in diesem Jahr. Auch das bundesweite Motto „Solidarität. Grenzenlos“ passt gut zu unserem Ansatz, Nationalismus abzulehnen. Rassismus und Nationalismus sind Ursache von Ausgrenzung, Spaltung und Menschenrechtsverletzungen. Rassismus und Nationalismus sind weltweit die grausame Ursache von Kriegen, Massakern und Morden. Rassismus tötet. 1 Es gilt das gesprochene Wort Rassismus hat in den letzten Jahren eine blutige Spur hinterlassen. Ob Minneapolis, Halle oder Hanau - es sind Menschen aus rassistischen und menschenverachtenden Motiven ermordet worden. Halle hat wieder einmal das hässliche und mörderische Gesicht von Antisemitismus gezeigt. In Hanau sind Menschen ermordet worden, denen aus rassistischen Gründen die Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft abgesprochen wurde, weil sie eine Migrationsgeschichte hatten, sie wurden zu „Fremden“ gemacht, obwohl sie Hanauerinnen und Hanauer waren. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde ermordet, weil er sich für die Aufnahme von Geflüchteten und damit gegen Rassisten positionierte. Terroranschläge wie in Hanau und Halle oder zuvor die Mordserie des NSU sind die Spitze des Eisbergs. Darunter liegt völkisches, nationalistisches und rechtes Gedankengut. Und dieses Gedankengut wirkt auch in der PandemieSituation. Rechte verbreiten antisemitische Verschwörungsideologien und schüren Hass und versuchen die Demokratie zu destabilisieren. Die weltweiten Black Lives Matter-Proteste nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Geoge Floyd in Minnesota, haben auch in Deutschland das Thema Rassismus bei der Polizei, aber auch die alltäglichen Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen auf die Tagesordnung gesetzt. Deutschland ist nicht die USA, aber auch hier berichten Betroffene von Racial ProfilingMethoden und anderen Formen rassistischer Diskriminierung durch die Polizei. Dass Bundesinnenminister Seehofer eine entsprechende Studie verhindert hat, ist ein Bärendienst an der deutschen Polizei, die damit die Chance verpasst, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Denn wir brauchen eine rassismusfreie und rassismuskritische Polizei in einer 2 Es gilt das gesprochene Wort Demokratie, die sich zunehmend gegen Rassisten und Demokratiefeinde wehren muss und zum Schutz aller Bürger*innen unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, Religion oder Hautfarbe verpflichtet ist. Erfreulicherweise erkennt die Politik langsam Rassismus als eine Gefahr und die Bundeskanzlerin gibt zu, dass wir ein Rassismusproblem in Deutschland haben. Das können wir nur bestätigen! Wir haben ein Rassismusproblem – und zwar nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft, bei den alten und neuen Nazis und Populisten, sondern in der Mitte der Gesellschaft und im ganz normalen Alltag. Menschen werden beleidigt, weil sie Kippa oder Kopftuch tragen. Menschen finden keinen Job oder keine Wohnung, weil sie einen ausländischen Namen haben oder Deutsch mit Akzent sprechen. Menschen werden ständig von der Polizei kontrolliert, weil sie Schwarz sind oder als Araber, Türken oder Geflüchtete identifiziert werden. Kinder erhalten keine Empfehlung für das Gymnasium, weil sie Migrationsgeschichte haben. Flüchtlingshelfer*innen, Politiker*innen und Rechtsanwält*innen, die sich solidarisch zeigen, erhalten Hassbotschaften und Drohbriefe. Diese Beispiele lassen sich endlos fortsetzen. Struktureller Rassismus und Alltags-Rassismus sind leider die traurige Realität, in unseren bayerischen Städten und Gemeinden genauso wie andernorts. Rassismus nachhaltig zu bekämpfen braucht eine engagierte Zivilgesellschaft, die nicht wegschaut und nicht schweigt. Die Bekämpfung von Rassismus braucht aber auch Gesetze und Strukturen, die die Betroffenen schützen, gleichstellen und empowern. 3 Es gilt das gesprochene Wort Dafür fordern wir ein Landes-Antidiskriminierungsgesetz, das das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ergänzt. Wir fordern flächendeckende kommunale Antidiskriminierungsstellen. Wir sehen dafür die Bayerische Staatsregierung in der Pflicht, die Kommunen zu unterstützen. Und zwar mit der Schaffung einer Landes-Antidiskriminierungsstelle, die die Beratungsangebote koordiniert und unterstützt, mit Dokumentation und Monitoring bayernweite Entwicklungen verfolgt und Strategien und Konzeptionen für die Präventionsarbeit entwickelt. Diejenigen, die von alltäglichem Rassismus oder von rechtem Terror betroffen sind, brauchen Instrumente, um sich schützen und wehren zu können. Wir dürfen nicht schweigen und Rassismus-Betroffene dürfen nicht allein gelassen werden! Wir alle sind verantwortlich, müssen klar und deutlich Position beziehen, für Demokratie und Menschenrechte, gegen Rassismus und Nationalismus. Wir brauchen die Entschlossenheit und Wachsamkeit der gesamten Gesellschaft – der Politik, der Sicherheitskräfte und der Medien, aber auch der Zivilgesellschaft, von mir und dir, um das friedliche Zusammenleben in Gleichheit und Vielfalt zu verteidigen. In diesem Sinne wollen wir unser Motto des diesjährigen Internationalen Tages gegen Rassismus weit über den 21. März hinaus immer und überall wirksam werden lassen: Rassismus und Nationalismus kommen uns nicht in die Tüte! Solidarität. Grenzenlos! 4
19. 062021_Tag_gegen_Rassismus.pdf  
PRESSEMITTEILUNG 06 | 2 0 2 1 Nürnberg | 16. März 2021 Rassismus und Nationalismus kommen mir nicht in die Tüte Anlässlich des 21. März 2021, des Internationalen Tags gegen Rassismus, finden überall in Bayern vielfältige Aktionen statt. Die Integrationsbeiräte und das Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern setzen mit Kundgebungen, Straßenumbenennungen, Videobotschaften in den sozialen Medien und vielfältigen Online-Veranstaltungen bayernweit ein Zeichen gegen Rassismus und Nationalismus. Die gemeinsamen Aktivitäten zum 21. März, der von den Vereinten Nationen 1966 zum Internationalen Tag gegen Rassismus erklärt wurde, haben bei den Integrationsbeiräten Bayerns und dem Netzwerk bereits Tradition. In diesem Jahr sind überall – auf den Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken wie auch in den Programmen und auf den Flyern – Tüten mit unserem Motto „Rassismus und Nationalismus kommt mir nicht in die Tüte“ zu sehen. Auch das bundesweite Motto der Internationalen Wochen gegen Rassismus „Solidarität. Grenzenlos“ passt gut zu unserem Ansatz, Nationalismus abzulehnen. „Rassismus und Nationalismus sind weltweit Ursache von Ausgrenzung, Spaltung und Menschenrechtsverletzungen. Und auch in Deutschland haben wir ein Rassismusproblem – und zwar nicht nur am rechten Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft“, erklärt Mitra Sharifi, Vorsitzende der AGABY. Ihre Forderung lautet deshalb: „Um Rassismus nachhaltig zu bekämpfen, braucht es eine engagierte Zivilgesellschaft. Es braucht aber auch Gesetze und Strukturen, die die Betroffenen schützen, gleichstellen und empowern.“ Diese Forderung konkretisiert Marina Mayer, Vorstandsvorsitzende im Netzwerk Rassismusund Diskriminierungsfreies Bayern: „Ganz explizit muss endlich eine Landesantidiskriminierungsstelle in Bayern eingerichtet werden.“ Weiter erläutert sie: "Zwei große Ereignisse rückten im vergangenen Jahr die gefährdete Sicherheit von Migrant*innen und anderen Rassismus-Betroffenen stärker in den Blick: Die Anschläge von Hanau und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Wir brauchen besseren Schutz vor rassistischer Gewalt. Wir brauchen besseren Gesundheits- und Arbeitsschutz - auch für Geflüchtete, Wanderarbeiter*innen und Arbeitskräfte im Billiglohnsektor." AGABY Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns Landesgeschäftsstelle | Sandstraße 7 | 90443 Nürnberg | Tel. 0911 92 31 89 90 | presse@agaby.de | www.agaby.de Die vielfältigen Aktivitäten der Integrationsbeiräte Bayerns sind entsprechend den Corona-Regelungen gestaltet und werden teils digital, teils mit Hygienekonzept im öffentlichen Raum durchgeführt. In München findet statt einer zentralen Demonstration in diesem Jahr eine Kundgebung statt, Start ist um 15 Uhr am Odeonsplatz. In Nürnberg hat der Integrationsrat einen Fachtag zum Thema „Integration äthiopischer Geflüchteter“ organisiert, der Integrationsbeirat Regensburg ruft zu einer Kundgebung mit Lyrik von Geflüchteten und einer Fotoaktion „Gesicht zeigen gegen Rassismus“ auf, in Ansbach legt der Integrationsbeirat im Bürgeramt die Tüten und Taschen aus, der Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg organisiert einen Projekttag mit Schulen und eine Kundgebung mit Poetry und Plakatwettbewerb und vieles mehr. Großartiges Feedback gab es bereits im Vorfeld des 21. März auf den Aufruf der AGABY für eine social-media-Kampagne. Mit tollen, aussagekräftigen und kreativen Videobotschaften haben Vertreter*innen der Integrationsbeiräte und weiterer engagierten Organisationen haben ihre Position gegen Rassismus formuliert. Die Videobotschaften und Fotos zur Aktion sind bei AGABY auf der Website, Facebook und Instagram und zu finden. AGABY Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns Landesgeschäftsstelle | Sandstraße 7 | 90443 Nürnberg | Tel. 0911 92 31 89 90 | presse@agaby.de | www.agaby.de
20. 2021-03-10-ungekuerzt-interview_dipama_sachgebiet-integration.pdf  
Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe landkreis-pfaffenhofen.de Seite Wie rassistisch sind wir eigentlich? Wir haben den Münchener Antidiskriminierungs-Experten Hamado Dipama getroffen, um mit ihm über Rassismus und Diskriminierung im Alltag zu sprechen. Nicht nur im Rahmen seines Vereins „Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern“ setzt sich Hamado Dipama für eine offenere Gesellschaft ein. Er engagiert sich auch im Migrationsbeirat der Stadt München sowie im Beirat des Bayerischen Rundfunks. Info: AGABY AGABY steht für die Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von demokratisch gewählten Beiräten der Städte und Kreise. Aktuell sind es 31 Mitglieder, denen AGABY eine Plattform für Erfahrungs- und Informationsaustausch bietet. Außerdem berät und unterstützt AGABY die Gründung neuer demokratisch gewählter Beiräte und steigert somit deren Effizienz. Auch auf Landesebene schafft AGABY Dialog und vermittelt zwischen staatlichen Gremien und anderen gesellschaftlichen Organisationen. Zusätzlich werden Migrant*innen durch AGABY auch im Bundesauswanderungs- und Integrationsrat auf Bundesebene vertreten. Seite 2 Sachgebiet Integration: Können Sie sich und Antidiskriminierungsarbeit. Ich berate die KomIhre Tätigkeiten kurz vorstellen? munen, wie es möglich sein kann, Betroffene Hamado Dipama: Ich habe selbst eine lange vor Ort zu unterstützen, zum Beispiel durch das Asylkarriere machen müssen. Das bedeutet, Erschaffen von Strukturen wie z.B. Antidiskrimisechs Jahre in einem Lager zu leben, neun Jahnierungsstellen in den Kommunen, die wir drinre mit der Duldung. Das heißt na„Rassismus wird immer gend überall brauchen. In ganz türlich, neun Jahre gegen die AbBayern haben wir nur fünf Komnur im Zusammenhang schiebung gekämpft. Seit 2007 munen, die diese Bemühung gemit Nationalsozialismus bin ich Sprecher des Bayerischen macht haben. Man muss auch Flüchtlingsrats. Dann hatte ich hier in Deutschland ge- sagen, Antidiskriminierungsstellen 2007 den Arbeitskreis Panafrikasehen. Das ist aber in allen Kommunen zu schaffen ist nismus hier in München gegrünein großes Zeichen des Staats nicht der Fall.“ det, der seitdem für die Belange gegen Rassismus und Diskriminieschwarzer Menschen aktiv ist. Seit 2010 bin ich rung. Es sagt: Wir dulden das nicht. Deswegen in den Migrationsbeirat der Stadt München schaffen wir auch Stellen, die dafür zuständig gewählt und diesbezüglich bin ich auch als Desind. legierter aus München bei AGABY, dem ZusamIch versuche mit den Kommunen ins Gespräch menschluss der kommunalen Integrationsbeiräzu kommen und gehe dabei auf politische Verte. Anfang 2019 bin ich von der ehrenamtlichen antwortliche zu, auf die politischen Strukturen Vorstandstätigkeit zur hauptamtlichen Tätigkeit und die Institutionen der Kommunen, aber auch in der Geschäftsstelle gewechselt als Referent auf zivilgesellschaftliche Strukturen vor Ort. für die Antirassismus- und AntidiskriminierungsAllein auf politischer Ebene schaffen wir nicht arbeit in Bayern. Das ist ein Arbeitsprojekt von viel. Wir brauchen zivilgesellschaftliche StruktuMigraNet und Teil des IQ-Programms (Netzwerk ren, die sich aktiv gegen die ganzen verachtenIntegration durch Qualifizierung). den Ansichten innerhalb der Kommunen einsetzen. Egal ob es Migrations– und IntegrationsSG Integration: Wie sieht Ihre Arbeit als Antirabeiräte oder einzelne Migrant:innengruppen ssismus-Trainer aus? sind – Antidiskriminierungsarbeit muss als Hamado Dipama: Also die professionelle BeSchwerpunkt gesetzt werden. Ich sage immer, zeichnung ist Referent der Antirassismus- und es ist klipp und klar: Rassismus ist zu bekämp- fen und zwar egal, aus welcher Ecke er kommt. Wir fokussieren uns nicht nur auf Rassismus, Diskriminierung in der Mitte der Gesellschaft, sondern auf jedes Feld in der Gesellschaft. opfern wie zu den Anschlägen in Hanau oder der NSU erlebt haben. SG Integration: Gibt es verschiedene Formen von Rassismus? SG Integration: Wie würden Sie Rassismus Hamado Dipama: Ja. Es gibt viele Formen von definieren und wie kann man ihn erkennen? Rassismus. Der Antischwarzenrassismus ist mit Hamado Dipama: Das ist eine komplexe Frage. dem alten Rassismus befangen, mit dem RasRassismus zu definieren ist keine senkonzept. Wir wissen, dass es „Ich plädiere immer für einfache Sache. Im kollektiven damals ein klares Rassenkonzept Verständnis wird Rassismus nur die Unterscheidung von gab – schwarze Rasse, weiße im Zusammenhang mit National- Rassismus und Diskrimi- Rasse, gelbe Rasse. Heute rede sozialismus hier in Deutschland nierung. Diskriminierung ich auch über antimuslimischen gesehen. Das ist aber nicht der Rassismus. Es war früher Isgab es schon immer. Fall. Und deswegen plädiere ich lamphobie. Es war früher FeindDas war und ist eine immer dafür, dass der historische lichkeit gegen Muslime. Wir müsAspekt des Rassismus nicht unter Herausforderung für jeg- sen klar heute über antimuslimiden Tisch fällt. Rassismus ist eng schen RASSISMUS sprechen, weil liche Gesellschaft. mit Versklavung und Kolonialismus das in einem klaren Konstrukt verbunden und Kolonialismus hatten wir nicht entstanden ist. Eine direkte Verbindung mit dem nur in der Vergangenheit, sondern wir haben es alten Konzept Rassismus ist klar zu sehen. Wir mit einer Kontinuität des Kolonialismus zu tun. haben in Europa auch Minderheiten, die Sinti Ein Beispiel dafür sind Umbenennungen der und Roma, die seit Jahren in dieser Gesellkolonialen Straßennamen in München. Ich kann schaft keinen Platz finden. Da sprechen wir von nicht nachvollziehen, warum der jetzige StadtRassismus gegenüber Sinti:zze und Rom:nja. rat an einer damaligen rassistischen EntscheiAuch Antisemitismus ist eine Form von Rassisdung immer noch festhält. Das bezeichnen wir mus, deswegen reden wir heute über antisemials koloniale Kontinuität, der man sozusagen tischen Rassismus. zuschaut. Rassismus und Kolonialisierung ist nicht Geschichte und Vergangenheit, sondern SG Integration: Wie beeinflusst die aktuelle ist immer noch aktuell. Rassismusdebatte aufgrund der Black-livesIch plädiere immer für die Unterscheidung von matter Bewegung Ihre Arbeit? Rassismus und Diskriminierung. Diskriminierung Hamado Dipama: Ich muss sagen, ich bin sehr gab es schon immer. Das war und ist eine Herdankbar, dass wir in Deutschland diese Debatte ausforderung für jegliche Gesellschaft. Wenn nun jetzt haben. Dennoch ist es sehr bedauerman den Irrtum der Vergangenheit nicht aufarlich, dass es so einen Anlass geben muss, wie beitet, dann reproduzieren wir in den USA mit George Floyd. Wo„Ich bin sehr dankbar, diesen Fehler weiter. Verstehen bei es eigentlich klar ist: das ProbSie nun die Komplexität der Be- dass wir in Deutschland lem ist nicht nur ein Problem in griffsdefinition von Rassismus? diese Debatte nun jetzt den USA. Wir haben das Problem Wir müssen die Unterschiede auch hier. Das Problem hier ist haben“ zwischen Vorurteilen, Diskriminieauch nicht kleinzureden, wie ich rung und Rassismus verstehen. Von Vorurteilen das in der Politik höre oder seitens der Sicherkommt man ganz schnell zu Diskriminierung und heitsbehörden, dass man den Rassismus in den wenn man von Diskriminierung redet gerät man USA nicht mit dem Rassismus hier in Deutschganz leicht zum Rassismus. Vom Rassismus ist land vergleichen kann. Es sind aber so viele es auch nicht so schwer zum Extremismus zu Fakten, die zeigen, dass wir es nicht mit Einzelkommen, den wir bereits mit so vielen Todesfällen zu tun haben, sondern mit einem struktu- Info: Antidiskriminierungsstellen Eine Antidiskriminierungsstelle berät Menschen, die Diskriminierung erlebt haben bzw. davon betroffen sind und dadurch im Alltag oder Beruf benachteiligt wurden. Hier erfahren Betroffene adäquate Beratung und Hilfestellung zu ihrem Fall, werden bei Lösungsmöglichkeiten unterstützt sowie an entsprechende Stellen weitervermittelt. In Bayern gibt es Stand heute insgesamt fünf offizielle Antidiskriminierungsstellen: München, Würzburg, Regensburg, Nürnberg und Erlangen. www.antidiskriminierungsstelle.de Info: Black-lives-matter Bewegung #BlackLivesMatter ist eine internationale Bewegung, die 2013 von drei Aktivistinnen in den Vereinigten Staaten Amerikas als Protest gegen Gewalt gegen Schwarze und People of Color sowie andere von Diskriminierung getroffene Gruppen über Soziale Medien ins Leben gerufen wurde. Der gewaltsame Tod von George Floyd durch drei Polizeibeamte in den USA löste 2020 eine weltweite Protestbewegung aus. Menschen zeigten international ihre Anteilnahme und gingen unter dem Hashtag #BlackLivesMatter gegen Polizeigewalt auf die Straße. Seite 3 Info: Internationale Wochen gegen Rassismus Die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) sind eine Initiative, um an den Internationalen Tag gegen Rassismus der Vereinten Nationen zu erinnern. Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus werden Aktionen und Modellprojekte zur Überwindung von Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entwickelt und gefördert. In Pfaffenhofen finden beispielsweise viele Vorträge, Filmvorführungen, Poetry-Slams, Workshops und Kunstausstellungen statt, um gegen Rassismus ein Zeichen zu setzen. Die Koordinierung der Aktionen läuft in Pfaffenhofen über die Koordinierungsstelle Integration der Stadt Pfaffenhofen. Dieses Jahr stehen die IWgR unter dem Motto „Solidarität. Grenzenlos“ und finden vom 15. März bis 28. März 2021 statt. Seien Sie gespannt auf die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021! rellen, institutionellen Problem. sismus und Diskriminierung konfrontiert wird. Das beeinflusst meine Arbeit im positiven SinInstitutioneller Rassismus oder struktureller ne, indem wir das Thema jetzt Rassismus dagegen ist, was auf „Als Mensch sollte man groß haben. Ich wünsche mir, struktureller Ebene, gesetzlich wissen, dass unsere dass das Thema nicht nur so hochoder in Form kollektiver Entscheigepusht wurde und dann wieder Außenform uns nicht dung existiert. Wodurch Menbald verschwindet. Das Problem ausmacht. Menschen schen stigmatisiert werden oder ist immer noch da. Von daher hofweniger Chancen bekommen, wie sind wir alle.“ fe ich ganz stark, dass wir am Ball z.B. auf dem Wohnungs- oder auf bleiben. Die jetzige Debatte zum Rassismus dem Arbeitsmarkt. finde ich einfach richtig und sie sollte eigentlich schon längst da sein. Wir haben das schon seit SG Integration: Wie würden Sie die Entwicklung Jahren mit vielen Aktionen, mit Kampagnen und von Alltagsrassismus in Bayern/Deutschland so weiter versucht, die kein großes Gehör gebeschreiben? funden haben. Wir plädieren dafür, dass diese Hamado Dipama: Ich hatte den Eindruck, dass Situation ernst genommen wird und hoffen, wir ein stückweit gekommen sind, bis zum Jahr dass das zu einer rassismus- und diskriminie2015, dem Jahr des sogenannten rungskritischen Haltung führt. Denn hin zu Ras„Flüchtlingsstroms“. Diesen Begriff sollte man sismus- und Diskriminierungsfreiheit ist es noch meiner Meinung nach auch diskutieren, da dieein langer Prozess. Es ist fast schon utopisch, ser mit dem Problem des Rassismus zusamaber diese Utopie erlauben wir uns und diese menhängt. Seit 2015 hat sich die Situation brauchen wir auch in unserer Realität. schon sehr negativ verändert. Menschen trauten sich Sachen zu sagen, die sie sich früher SG Integration: Wie gehen Sie mit dem Thema nicht getraut hatten. Rassistische und men„Alltagsrassismus“ um? Können Sie den Begriff schenfeindliche Organisationen sind zustande vielleicht nochmal kurz definieren? gekommen, was bis 2014 gar nicht denkbar Hamado Dipama: Das ist so ähnlich wie bei war. Dadurch hat sich die Situation total verIhrer vorherigen Frage sehr komplex. Rassismus schlechtert, wir wurden 20 Jahre zurückgeworerleben wir alltäglich und institutionell sowie fen. Das ist sehr bedauerlich. strukturell. Alltagsrassismus begegnen wir tagtäglich im öffentlichen Raum, z.B. in der StraSG Integration: Wie kann man allgemein Allßenbahn. Oder alleine die Blicke der Menschen tagsrassismus entgegentreten? auf der Straße oder die Frage, woher du Hamado Dipama: Das kommt natürlich auf die kommst, im Gespräch. Das sind AlltagssituatioSituation an. Es gibt unterschiedliche Erscheinen, in denen man mit den Problemen von Rasnungsformen von Alltagsrassismus, denen wir Mehr Infos unter: https://pfaffenhofen.de/ artikel/wochen-gegenrassismus/ Die Proteste nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd während eines Polizeieinsatzes breiteten sich schnell über die Grenzen der USA hinweg aus und heizten die Rassismusdebatte enorm auf. Seite 4 begegnen. Zuerst einmal ist es wichtig, das SG Integration: Wie kann man bei plötzlichen Betroffene oder Beobachtende die Situation so Anfeindungen ein Stoppschild verhängen? nicht annehmen, den Alltagsrassismus nicht Hamado Dipama: Das ist schwierig. Meine perannehmen. Denn die Bagatellisierung unserer sönliche Strategie, die ich oft an viele BetroffeAlltagserlebnisse, also auch des Alltagsrassisne weitergebe, ist: Wenn ich auf der Straße mus, bewirkt, dass es zu keiner rassistisch angefeindet werde, „Rassismus ist eigentVeränderung kommt. Wenn ich sehe ich das erstmal nicht als sozusagen rassistischen Witzen lich kein Problem der eine Attacke an mich als Hamado, auf der Straße begegne und nichts Betroffenen, sondern sondern in der Situation wurde ich dagegen sage, dann billige ich, das des Gegenübers.“ attackiert als Vertreter schwarzer dass die Person das weitersagen Menschen, als Vertreter einer kann. In dieser Situation muss man Personen Gruppe. Das macht sozusagen, dass das Emotidarauf hinweisen, dass irgendwas gerade nicht onale anders empfunden wird. Es ermöglicht, in Ordnung gelaufen ist. Beispielsweise findet der Situation rational entgegenzutreten und sich Alltagsrassismus auch in unserer Sprache nicht sofort aus sich rauszugehen. Sonst führt wieder. Es gibt so viele rassistische Wörter und das vielleicht zu einer Konfrontation oder Begriffe in unserer Gesellschaft, mit denen wir schlimmer: es kommt zu einer negativen Auseitagtäglich konfrontiert sind. Es ist immer wichnandersetzung und zu Übergriffen. Wenn ich es tig auf eine rassismus- und diskriminierungsfreie als Attacke auf Hamado sehe, ist meine Ehre im Sprache im Umgang miteinander hinzuweisen, Spiel und ich muss mich verteidigen. Aber nicht nur durch Betroffene selbst, sondern auch wenn ich mich in der Situation als Vertreter durch Beobachtende. In vielen Anfeindungseines gesamten Kontinents, eines Volks der Situationen wünsche ich mir mehr Zivilcourage ganzen Welt betrachte, kann ich als aus der Bevölkerung. Aber oft wird es leider ‚Botschafter‘ für diese Menschen agieren. heruntergespielt, mit: bitte sei Eine zweite Strategie, die ich ha„Als Mensch sollte man doch nicht so empfindlich. Es ist be, ist zu sagen: Rassismus ist wissen, dass unsere aber keine Empfindlichkeit. Das eigentlich kein Problem der Beentspricht dem, was die Person Außenform uns nicht troffenen, sondern das des Gegerade verletzt hat und das muss ausmacht. Menschen genübers. Für mich ist das eine man so annehmen. In dem Fall hilfsbedürftige Person. Wenn man sind wir alle.“ zählt nicht das, was gemeint ist, im Kopf weiter ist, dann sollte sondern wie es angekommen ist. Vielfach werman schon wissen, dass die Hautfarbe uns den Betroffene als Menschen gesehen, die nicht ausmacht. Man sollte wissen, dass unseüberreagieren oder sehr empfindlich sind. Aber re unterschiedlichen Hautfarben uns nicht auswie kann jemand, der diesen Rassismus nicht machen. Als Mensch sollte man wissen, dass erfahren hat, beurteilen, wie stark sich jemand unsere Außenform uns nicht ausmacht. Menverletzt fühlt bzw. fühlen darf? Wenn ich irgendschen sind wir alle. Aber wenn man nicht in der einen Begriff nutze, der jemanden verletzt, sollLage ist, um das zu verstehen, dann fehlt irte ein Reflexionsprozess in meinem Kopf in gendwas bei diesen Menschen. Aber wenn Gang gesetzt werden. Was habe ich überhaupt jemand nicht einmal in der Lage ist zu wissen, davon, einen Begriff zu benutzen, der für andere dass dein Aussehen dich nicht besser macht als verletzend ist? Andere und Andere nicht besser als dich. Wenn Auf jeden Fall ist das wichtigste, Betroffenen zu du nicht in der Lage bist, das zu verstehen, raten, den Rassismus nicht anzunehmen, Rasdann hast du ein Problem und wie arm bist du sismus, egal wo es passiert, ein Stoppschild zu in diesem Moment. Rassismus ist auch mit zeigen. Macht verbunden. Ich versuche diese Macht irgendwie zu dekonstruieren, weil mit dieser Denkweise habe ich die Macht der Rassisten Info: Woher kommt „Rassismus“? Das Konzept des „Rassismus“ stammt aus der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Man begann, Menschen aufgrund von bestimmten Merkmalen wie der Hautfarbe oder auch von Eigenschaften oder der reinen Kopfform zu unterscheiden. Mit dieser Klassifizierung ging auch eine Be– bzw. eine Abwertung einher, denn der europäische Mensch wurde naturgegeben als höherwertig betrachtet und die Menschen aus den Kolonien in Afrika und Lateinamerika als weniger hoch entwickelt. Maßgeblichen Einfluss hatte hier die Geschichte des atlantischen Dreieckshandels, bei dem Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden, um Güter und Produkte für den europäischen Markt zu gewinnen. Schätzungen zufolge wurden so seit dem 16. Jahrhundert über etwa 400 Jahre bis zu 30 Mio Menschen versklavt und nach Amerika gebracht. Doch es sollte bis Mitte des 20. Jahrhunderts dauern, ehe nach dem traurigen Höhepunkt des Rassenwahns im 3. Reich ein Umdenken einsetzte. Dennoch war dauerte staatliche Ungleichbehandlung beispielsweise bis zum Civil Rights Act von 1964 in den USA und mit der Apartheid in Südafrika noch weiter und zum Teil bis heute an, auch wenn das Konzept des „Rassismus“ längst wissenschaftlich widerlegt ist. Seite 5 Info: Begriffdefinition zu „Schwarz“ – Hamado Dipama „Ein Mensch ist erstmal ein Individuum., bevor er zu Kollektiven gezählt werden kann. […] Wenn ich hier den Begriff „schwarz“ benutze, ist es eine kollektive Entscheidung für uns, um uns als schwarze Menschen zu definieren. Aber nicht, damit wir uns anhand der Hautfarbe definieren, sondern als stigmatisierte Menschen. Und wenn wir übers Schwarzsein sprechen, verlangen wir gleichzeitig, dass man über Weißsein spricht. Das ist politisch und das ist die Intention.“ Info: Kontaktdaten Herr Hamado Dipama: AGABY Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns Landesgeschäftsstelle Sandstraße 7 90443 Nürnberg Tel.: 0911 923 189 90 E-mail: agaby@gaby.de Seite 6 abgenommen. Das gibt mir die Möglichkeit rational mit diesen Personen ins Gespräch zu kommen. nicht unsere Gesellschaft wider. Der Bundestag spiegelt nicht unsere Gesellschaft wider. Wenn wir wissen, wie viele Menschen „[…] erstmal das Prob- mit Migrationsbiografie in unserer SG Integration: Wie können Men- lem anerkennen, zwei- Gesellschaft leben, fester Beschen, die Rassismus beobachten, tens seine eigenen Pri- standteil unserer Gesellschaft reagieren? vilegien wahrnehmen, sind, diese in unseren politischen Hamado Dipama: Ich sage euch Entscheidungsgremien aber völlig drittens den Gegenüber einfach, was ihr machen könnt, unterrepräsentiert sind, dann kann um Rassismus entgegenzutreten: kennenlernen. Oft reden das nicht der richtige Weg sein. Als Erstes brauchen wir die Er- wir über Menschen, Wir wollen nicht, dass über uns kenntnis, dass wir ein Rassismus- denen wir noch nicht gesprochen und entschieden wird, Problem haben. Dass wir, ob wir sondern wir wollen mitentscheibegegnet sind. wollen oder nicht, von dem Sysden, teilhaben. Teilhabe und Chantem profitieren und dass wir Privilegien haben. cengleichheit – das fordern wir. Mit diesen Privilegien müssen wir uns auseinandersetzen und diese hinterfragen. Haben andere SG Integration: Wie schätzen Sie den Wert von Menschen die gleichen Möglichkeiten? Es gibt Aktionen wie den „Internationalen Wochen auch viele Privilegien, die hier vorhanden sind, gegen Rassismus“, um auf Alltagsrassismus die man sozusagen als einfache Menschen aufmerksam zu machen? nicht wahrnimmt. Und da sage ich, erstmal das Hamado Dipama: Auf jeden Fall sind solche Problem anerkennen, zweitens seine eigenen Aktivitäten wie die ‚Internationalen Wochen Privilegien wahrnehmen, drittens den Gegengegen Rassismus‘ oder die ‚Interkulturellen Woüber kennenlernen. Oft reden wir über Menchen‘ der Städte und der Landkreise sehr wichschen, denen wir noch nicht begegnet sind. Wir tig, um dieses Problem anzusprechen. Darauf haben schon eine feste Meinung über diese hinzuweisen und auch klar zu machen, dass wir Menschen, obwohl wir noch nicht mit ihnen in einer Gesellschaft sind, die leider in negativer gesprochen haben, sondern nur weil wir das im Entwicklung fortfällt. Und auch sich den Fragen Fernsehen gesehen oder im Radio gehört hazu stellen: In welcher Gesellschaft wollen WIR ben. Aber nein, das reicht nicht. leben? Was können WIR als nicht„Wir wollen nicht, dass Wir haben unsere Köpfe, damit rassismus-erfahrene Menschen tun? über uns gesprochen wir selber nachdenken und reIn welcher Gesellschaft will ICH leflektieren. Menschen, die Ras- und entschieden wird, ben? Was kann ICH tun, um in solch sismus erfahren haben, sind sondern wir wollen mit- einer Gesellschaft leben zu können? überall. Die Begegnung ist hier entscheiden, teilhaben.“ Wie gesagt, die Aktivitäten der Inganz wichtig und miteinander ternationalen Wochen gegen Raskriegt man das hin. sismus und der Interkulturellen Wochen sind wirklich sehr wichtig. SG Integration: Was wünschen Sie sich von ABER: Danach muss die Aktivität weitergehen. Politik und Gesellschaft hinsichtlich AlltagsrasEs darf nicht nur in diesem Rahmen stattfinden, sismus? sondern sollte eine ständige Aufgabe sein, die Hamado Dipama: An die Politik habe ich eine jeder von uns als Teil dieser Gesellschaft überganze Palette an Wünschen. Was ich vorhin nimmt. Um unsere Demokratie zu schützen. schon einmal angesprochen habe, ist die DiverUnd um das zu schützen, gibt es keinen besity-Öffnung der Politik und der Parteien. Wenn stimmten Monat. Denn wenn du es im März wir jetzt nämlich nachschauen, egal in welchen schützt und im Juli wegfallen lässt, dann ist es Parteien oder Rathäusern – das spiegelt unsere weg. Man muss mehr tun. Gesellschaft nicht wider. Die Stadträte spiegeln ( Interview: Tram Do / Trautmannsberger) „Als Pflegefachkraft hat man viel Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Es ist beispielsweise einmal vorgekommen, dass ich in ein Patientenzimmer eingetreten bin und mit folgenden Worten begrüßt worden bin: „Ich habe doch gar keine Massage und Maniküre bestellt.“ Ich war ganz normal in meiner Arbeitsuniform, wie meine Kollegen.“ Weiblich, 20 Jahre alt Auszubildende mit thailändischen Wurzeln „Mir ist es einmal passiert, dass ich beim Einkaufen an der Kasse stand und hinter mir stellte sich eine ältere Dame mit nur einem Artikel an. Ich wollte die Dame vor mich lassen, da ich einen größeren Einkauf hatte und sagte: ‚Sie können gern vor.‘ Die ältere Dame lächelte freundlich und antwortete: ‚Vielen dank, das ist aber nett und Sie sprechen so gut Deutsch! Ganz ohne Akzent!‘ Ich bedankte mich, aber erklärte, dass ich Deutscher sei und hier geboren bin.“ Männlich, 18 Jahre alt, Auszubildender mit nigerianischen Wurzeln „Ich hatte einmal während eines Seminars ein Gespräch mit einem Herren, der mich fragte, woher ich komme. Als ich antwortete, dass ich aus Albanien komme, reagierte dieser: ‚Ach krass, Sie haben es aber weit geschafft.‘ Ich war irritiert und fragte: ‚Ist das für Sie etwas Außergewöhnliches?‘ Daraufhin gab der Herr nur zurück: ‚Gute Nachrichten höre ich nicht so oft über Albaner, eher schlechtere.“ Weiblich, 30 Jahre alt Arbeitnehmerin mit albanischen Wurzeln „Ich lebe bereits seit meiner Geburt in Deutschland, identifiziere mich als Deutscher und habe auch den deutschen Pass. Manche Menschen verstehen das nicht. Als ich in der 5. Klasse war, da war ich 10 Jahre alt, behandelten wir in der Schule das Thema Nationalitäten. Die Lehrerin fragte die Klasse: ‚Wer von euch ist alles Deutsch?‘ Alle in der Klasse meldeten sich, darunter auch ich. Doch die Lehrerin sagte zu mir: ‚Nein, du bist kein Deutscher.‘ Ich kann mich noch genau an diese Situation erinnern. Ich war sehr verletzt und musste mir das Weinen unterdrücken.“ Männlich, 28 Jahre alt Türkeistämmiger Arbeitnehmer im Landkreis „Ich arbeite im Kundenservice bei einem globalen Softwarehersteller. Einmal wurde ich während eines Kundengesprächs plötzlich gefragt, wo ich herkomme. Ich sagte, dass ich aus Bulgarien komme und dann fragte der Kunde: Kommen Sie nachher zu mir zum Bügeln vorbei?“ Weiblich, 31 Jahre alt, Arbeitnehmerin mit bulgarischen Wurzeln Seite 7 DIVERSECO Das Integrationsmagazin für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm Impressum Herausgeber: Sachgebiet 23 – Integration Landratsamt Pfaffenhofen a.d.Ilm Hauptplatz 22 85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm Telefon: 08441 27-2961 E-Mail: Integration@landratsamt-paf.de Redaktion: Tu Trang Tram Do, Gerhard Trautmannsberger , Gerhard Wenzl Ausgabe: Sonderausgabe März 2021 Seite 8
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